Ehrenamts-Gemeinde Bad Hall
Projektbericht
Die Pfarrgemeinde Bad Hall hat derzeit etwas mehr als 500 Mitglieder, die Pfarrstelle war seit mehreren Jahren unbesetzt. Nach dem oberösterreichischen Stellenverteilungskonzept wird der Gemeinde in Zukunft keine Pfarrstelle mehr zugeordnet werden. Gemeinsam mit der diözesanen Leitung hat die Gemeinde entschieden, sich auf einen neuen Weg einzulassen und sich zu einer „Ehrenamtsgemeinde“ (mündige Gemeinde/selbständig-begleitete Gemeinde) zu entwickeln.
- Was braucht die Gemeinde, wenn sie sich als eine Gemeinschaft in ausschließlich ehrenamtlicher Leitung versteht?
- Welches Bild von Kirche leitet uns?
- Was ist machbar, was nicht?
- Was können und wollen die handelnden Personen leisten?
- Welche Unterstützung von außerhalb ist notwendig?
- Wie strukturiert sich die Anbindung an die Gesamtkirche?
- Viele auch kirchenrechtliche Fragen tauchen am Anfang des Weges auf. Sie müssen nicht am Beginn aber doch im Laufe des Prozesses gelöst werden.
Der Prozess wird gesteuert von einer Gruppe, dem, leitende Personen der Gemeinde (Vertreter:innen des Presbyteriums) und des WeG sowie der Superintendent angehören. Aufgabe der Steuerungsgruppe ist es, mich in meiner Aufgabe zu unterstützen, den dreijährigen Prozess hin zu einer „Pfarrgemeinde ohne eigene Pfarrstelle“ zu begleiten. Sie verantwortet auch die Kommunikation über das Projekt auf Gemeinde- /diözesaner/ gesamtkirchlicher Ebene. Die kirchenrechtlichen Optionen sind im Lauf des Prozesses zu bestimmen. Als grundlegende Ziele erachtet die Steuerungsgruppe, die tiefe Freude der Kinder Gottes zu wecken, zu nähren und im Miteinander Strahlkraft entfalten zu lassen, die Sprachfähigkeit in Bezug auf den Glauben zu entwickeln und Beziehungen zu suchen, zu pflegen und zu stärken, um eine tragfähige und entwicklungsfreudige Gemeinschaft zu etablieren.
Teilziele sind unter anderen:
- Mitarbeitende ermutigen und geistlich-theologische Perspektiven eröffnen
- Sprachfähigkeit im Glauben und geistliche Reife entwickeln
- Spirituelle Ausdrucksformen lernen und erweitern
- Mitarbeitende hinsichtlich ihrer Gaben und der erforderlichen Leitungsqualitäten fördern
- Eine tragfähige Vision für die PG als vitale, mündige Gemeinde entwickeln, die getragen ist von Freude, Nüchternheit und Treue.
- Sensibilität hinsichtlich der Region stärken und Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten und gestalten
- Die Basis der Mitarbeitenden verbreitern
- Die erste Phase (Februar– Juli 2024)
Die ersten sechs Monate trugen die Überschrift „Erkundungsphase“. Es wurden viele Gespräche geführt, mit Menschen mit wenig, mittlerer und hoher Verbundenheit zur Pfarrgemeinde, mit externen Unterstützern wie z.B. begleitenden Pfarrpersonen und mit gelegentlichem Besucher:innen. Ziel war es, wahrzunehmen, was Gemeindemitglieder und Verantwortungsträger bewegt, welche Wünsche, Hoffnungen und Perspektiven sie tragen, welche Potentiale da sind und welche Erwartungen.
Es war eine hohe Bereitschaft wahrnehmbar, sich auf anstehende Veränderungen einzulassen. Dass jetzt nicht „endlich eine Pfarrerin da ist, die uns versorgt“, wurde schnell verstanden.
Die Sorge vor Überlastung wurde besonders vom innersten Kern der Mitarbeitenden (15-20 P.), die schon über Jahre großen Einsatz geleistet hatten, geäußert. Immer deutlicher wurde: Welche Gestalt von Gemeinde hier auch immer in die Welt kommen will, sie muss sich an den vorhandenen Möglichkeiten und Kapazitäten orientieren. In allen Begegnungen war eine tiefe Verwurzelung im Glauben spürbar und ein großes Selbstverständnis: Wir sind hier Gemeinde!
Die Mitarbeitenden darüber ins Gespräch zu bringen und im Feiern von zahlreichen Gottesdiensten und Andachten das geistliche Fundament zu stärken war neben dem Hinhören der wichtigste Beitrag in dieser Phase.
Diverse Aktivitäten, die im Jahresrhythmus der Gemeinde liegen, wurden mitgestaltet und dienten als Begegnungsfläche und geistliche Vertiefung.
Hinsichtlich der Zusammenarbeit in der Region wurde eine strukturiertere Kooperation in den drei Bereichen, in denen es bisher schon eine Zusammenarbeit gab (Gemeindebrief, Lektor:innen und Konfirmand:innen), in Form von Steuerungsgruppen angebahnt.
Das Projekt Tauftropfen wurde anlässlich von zwei Taufen gestartet, um intensiveren Kontakt zu Tauffamilien zu halten.
In einem offenen Gemeindeforum wurde die Geschichte der Pfarrgemeinde, ihre Akteure, die großen Ereignisse und Herausforderungen der Vergangenheit in den Blick genommen, gewürdigt und bewusst verabschiedet.
Eine wachsende Gruppe von Gemeindegliedern begleitet das Projekt im persönlichen Gebet.
Die oben beschriebene hohe Bereitschaft, sich auf anstehende Veränderungen einzulassen, ging mit einer deutlich geäußerten Unwissenheit einher, wie eine solche aussehen könnte. Es gibt kaum Vorstellungen davon, wie eine erhoffte mündige Gemeinde in der Zukunft gestaltet sein könnte, welche Strukturen oder Maßnahmen es möglicherweise braucht, um sie lebbar zu machen. Bei einigen lebt die verborgene Hoffnung, am Ende möglicherweise doch jemanden zumindest für ein paar Stunden anstellen zu können.
Die Herausforderung besteht darin, dass es im Umfeld keine bekannten Vorbilder für die angestrebte Entwicklung gibt, an denen man sich orientieren könnte. Impulse für ein verändertes Bild von Gemeinde müssen in erster Linie von außen in das System eingebracht werden.
Die Anbindung an die Gesamtkirche wird von den verschiedenen Akteur:innen unterschiedlich relevant oder tragend erlebt.
- Die zweite Phase (September 2024 – Februar 2025)
In der zweiten Phase ging es darum, stärkere Klärungen ins System einzubringen.
Im 2. Gemeindeforum am 12.10.24 stellte sich die erweiterte GV vor allem die Frage nach dem Why (Simon Sinek): Warum gibt es die PG Bad Hall? Was ist ihr Anliegen/Auftrag? Es wurde folgendermaßen definiert: „Wir leben Beziehung und Gemeinschaft, damit Menschen Gott kennenlernen und zu einem persönlichen Glauben finden.“ Dies dient als Leitstern, mit dem nächste notwendige Schritte geklärt werden können (Evaluieren des Bestehenden, priorisieren und posteriorisieren, Exnovation: Was lassen wir und was könnten wir mit unseren Mitteln noch (anderes) tun?).
Der Gottesdienst als Zentrum des Gemeindelebens fordert heraus zu klären, wie die Gemeinde aus sich heraus feiern kann, ohne regelmäßig von außen versorgt zu werden. Dazu werden erste Erfahrungen unter dem Stichwort „Gemeinde feiert Gottesdienst“ gesammelt. Ein neues Modell für den bis dato schlecht wahrgenommenen Abendgottesdienst wird ausprobiert. Der Kirchenraum wurde dafür adaptiert, sodass die eher kleine Gruppe in den ersten beiden Reihen kompakt beieinandersitzen kann. Der Ablauf ist geprägt von Beten, Hören des Wortes Gottes, Sich neu ausrichten: einfach, sinnlich, mit Beteiligungsformen und einer Verkündigung, die ohne berufene Amtsperson (Lektor*in/Pfarrer*in) auskommt wie z.B. Bibelteilen. Dafür wurden „Gastgeber“ gefunden, die erste Erfahrungen machen, durch den Ablauf zu führen. Unklar ist dabei noch, wie sich die musikalische Gestaltung realisieren lässt (derzeit acapella oder mittels Einspielung). Eine erste Evaluierung ist für den Herbst 2025 geplant.
Der Stärkung des Fundaments der Mitarbeitenden und der Öffnung für neue Personen diente der vierteilige Stufen des Lebens Kurs vom Oktober-November 2024 in der Reihe „Bibel aktuell Spezial“ (Durch Krisen reifen. Mit Elia auf dem Weg). Er wurde überraschend stark frequentiert, hier sind für die kommenden Wochen Folgegespräche mit einzelnen Teilnehmenden, die noch nicht in der Gemeinde mitarbeiten, geplant.
Die Predigtreihe „Verwurzelt“ nach dem gleichnamigen Buch von Todjeras/Herbst verfolgt die geistliche Ausrichtung und Stärkung der Mitarbeitenden. Die Gottesdienstgestaltung wird weiterhin mit Gemeindegliedern (GVs) vorbereitet. Daneben wurden die Feste im Jahreskreis mit der Gemeinde gefeiert (Erntedank, Allerheiligen, Advent, Weihnachten). Dabei wurden, wo immer möglich, weitere Akteure mit einbezogen (Stadtkapelle Bad Hall, Jungmusiker, Jugendliche, Konfieltern). Die Segnung der Ehejubilare fand wie auch schon das Gemeindefest im Juni in guter ökumenischer Zusammenarbeit statt.
Der Lektor mit Kasualbefugnis, Ernst Ohler, wurde bei zwei Kasualien begleitet.
Der traditionelle Gottesdienst anlässlich des Kulinarischen Brauchtumssonntags wurde bewusst so gestaltet, dass er sich gut in die Bedürfnisse aller Agierenden (Musikkapelle) und Teilnehmenden einfügen konnte, und wurde als gelungenes Miteinander erlebt.
Der Konfikurs (durchgeführt von Max Wahl, Team Schloss Klaus) wird begleitet, dazu gab es zwei Konfirmandenelternabende, wobei der zweite als verkürzter Stufen des Lebens Abend gestaltet wurde, um die Konfieltern über das Thema Gebet ins Gespräch zu bringen. Auch hier stehen strategische Überlegungen, wie diese Personengruppe stärker am Gemeindeleben teilhaben kann.
In Zukunft wird der Konfikurs zweijährlich regional angeboten, dazu fanden zwei Steuerungstreffen statt.
Diese Phase wurde begleitet von intensivem theologischem Arbeiten eines Teils der Steuerungsgruppe zur Frage nach mündiger Gemeinde, ihren Merkmalen und Möglichkeiten.
- Die dritte Phase (März – Juli 2025)
Die dritte Phase war zunächst geprägt von disruptiven Erfahrungen. Der Kurator, der auch Teil der Steuerungsgruppe war, legte aus privaten Gründen sein Amt zurück. Neben dem unerwarteten Verlust wurde dies zunächst als positive Herausforderung wahrgenommen, nämlich insofern, als man sich gemeinsam mit dem Leitungsverständnis und einem veränderten Zusammenwirken im Team auseinandersetzen musste. Teamrollen, Begabungen, Herzensanliegen, das eigene Why wurden ergründet und geteilt.
In diese sich neuformierende Teamstruktur kam die Nachricht, dass sich auch der stellvertretende Kurator (zweites Steuerungsgruppenmitglied der Gemeinde) und seine Frau, die beide zentrale Rollen im Gemeindeleben eingenommen hatten, ebenfalls aus persönlichen Gründen in absehbarer Zeit aus der Gemeinde verabschieden müssten.
Damit hatte der innerste Leitungskern binnen weniger Monate drei ihrer sieben Mitglieder verloren. Dies war ein Schock für das System. Die Anfangsbedingungen hatten sich nun gravierend verändert, ein Weiterführen des Projekts stand in Frage. Würde man auch unter den veränderten Umständen weitermachen? War der Verlust von Menschen, die man schätzte und mit denen man jahrelang eine Gemeinschaft gelebt und Anliegen geteilt hatte, für ein so kleines System verkraftbar? Würde die Energie auch mit weniger (wo)man-Power reichen, das Projekt Eigenständige, Mündige Gemeinde zu tragen? War die Ausgangsfrage gleichgeblieben?
Entscheidend war an dieser Stelle, der Trauer in all ihren Facetten Raum zu geben und alle Optionen des weiteren Vorgehens offen auszuloten. In einer gemeinsamen Sitzung mit der Steuerungsgruppe wurde entschieden, das Projekt weiterzuführen. Einer der Presbyter war bereit, das Kuratoren Amt zu übernehmen. Damit bekam das System neue Stabilität, gleichzeitig muss diese Person nun ganz neu in die steuernde Verantwortung für das Konzept Mündige Gemeinde mithineingenommen werden.
Auf der Steuerungsebene war diese Erfahrung sehr bedeutsam: nicht nur in der Theorie zu wissen, sondern zu erleben, wie volatil und damit fragil ein Gemeindekonzept ist, das auf wenigen tragenden Menschen aufbaut. Dies zu beachten wird für alle zu übertragende Kontexte wesentlich sein.
In der Folge stellte sich völlig konsequent die Frage nach Exnovation: Was können wir leisten? Und was machen wir nicht (mehr)? Auf dem 3. Offenen Gemeindeforum 25.-26.4.2025 war dazu Raum. Das Konzept der Vitalitätsmarker IN/OUT/UP/OF aus der anglikanischen Kirche war ein hilfreiches Gerüst, um sämtliche Aktivitäten der Gemeinde in Blick zu nehmen. Leitend waren die Fragen: Was macht uns Freude, worauf haben wir Lust? Was entspricht unserem WHY, was ist unerlässlich? Wofür haben wir Energie und Ressourcen? Die notwendigen pastoralen Rollen (Verkündigung, Seelsorge-Hirtenamt, Leitung, Identifikationsfigur, Theologische Expertise) innerhalb der mündigen Gemeinde wurden nochmal in Blick genommen.
Damit begann ein Prozess des Ordnens und Strukturierens der Arbeitsbereiche inkl. der Verantwortlichkeiten. Bis zum Sommer wurde etwa an den Themen Besuchsdienst, Kirchenmusik und Feierabendgottesdienst intensiv gearbeitet.
Eine besondere Rolle nahm die Frage nach der Kinder-und Jugendarbeit ein. Diese wurde und wird z.T. regional bespielt (Konfi, Jugend), z.T. nur in Nachbargemeinden angeboten (Jungschar, regelmäßiger Kigo, Familiengottesdienst, Tauferinnerung). Wäre es denkbar, diesen Arbeitsbereich generell regional zu denken oder würde das der Gemeindeentwicklung langfristig schaden? In einem extern begleiteten GV-Abend zu Regio-lokaler Kirchenentwicklung (Bernhard Schröder, WeG/IMK) wurde deutlich, dass die Gemeinde das, was schon regelmäßig geschieht (Holzbauwelt, Waldweihnacht, Tauftropfen, KinderGD beim Feierabend-Gottesdienst), gut und noch besser machen möchte. Alles andere wird weiter regional angeboten oder nicht gemacht (weil die Ressourcen dafür nicht reichen und darauf vertraut wird, dass unsere Nachbarn das großartig machen und ihre Arbeit auch unsere Gemeinde stärkt).
Hier spielt positiv mit hinein, dass es ab Herbst ein überregionales Angebot für VS – Kinder im Erstkommunionsalter (Konfi 2/3) geben wird, das von allen drei Gemeinden mitgetragen wird.
Der gemeinsame Konfi-Unterricht ist am Laufen und wird von einer Steuerungsgruppe der drei Regionsgemeinden begleitet. Bei beiden Angeboten finden Veranstaltungen in allen drei Gemeinden statt.
Mittelfristig kann es für die Stabilität des Gemeindelebens wichtig sein, sowohl für Presbyterium als auch GV weitere Menschen zu finden, die sich mit einbringen wollen. Das ist bisher noch nicht gelungen.
Hilfreich im Prozess des Ordnens und Findens der eigenen Identität war eine Begegnung mit der PG Schärding, die sich strukturell in ähnlicher Situation befindet. Im gemeinsamen Feiern und Austauschen ereignete sich Klärung, Ermutigung, Lernen, Verbundenheit und Gemeinschaftserleben.
Mit großem Einsatz wurde Konfirmation gefeiert, Konfis und Eltern z.T auch in Einzelbegegnungen begleitet. Ein Interesse an längerfristiger Bindung ist nicht absehbar.
Beim Jubiläumsgottesdienst zu Pfingsten wurden heuer erstmals nicht nur Geburtstags-, sondern auch Ehe- und Konfirmationsjubilare eingeladen, ein Höhepunkt im Dienst an älteren Gemeindegliedern.
Einige Veranstaltungen wurden in dieser Phase jahreskreiskonform ökumenisch durchgeführt, und stärkten die geschwisterliche Verbundenheit vor Ort: Trachtensonntag, Lange Nacht der Kirchen, Gemeindefest.
Um das gottesdienstliche Leben weiter zu stärken, wurde die angehende Lektorin ausgebildet und begleitet. Die Hosts des Abendgottesdienstes wurden weiter gecoacht, Gottesdienste im Team vorbereitet. Es fanden diverse seelsorgerliche Gespräche statt. Repräsentationsaufgaben, die das Projekt unterstützen, wurden wahrgenommen, MA würdig bedankt und verabschiedet.
- Die vierte Phase (September 2025 – Februar 2026)
Die Phase begann im Leitungskreis mit einer Standortbestimmung des Projektes (Halbzeit). Es wurde der Entschluss bekräftigt, Ehrenamtsgemeinde zu werden. Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass
personelle Veränderungen Kraft gekostet haben, dass sich die Leitenden im Projekt und seinen Themen und Anforderungen auf einem Lernweg erleben, und dass das Zielbild (auch organisational) als noch zu unscharf erlebt wird.
Im Presbyterium waren in dieser Phase folgende Entwicklungen relevant:
- Die Bereiche der Gemeinde wie Gottesdienst, Haus und Hof, Kinder und Jugend, Seelsorge, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit ua. wurden jeweils einer/m Presbyter:in zugeordnet, sodass Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten klarer wurden. Die Gesamtleitung wurde dem Kurator zugesprochen. Diese Entwicklung muss sich nun festigen und transparent nach außen kommuniziert werden.
- Wie kann eine gute Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den verschiedenen Bereichen gewährleistet werden? Dazu war es nötig, alle Namen erstmals zu sammeln und jeweils den Bereichsleitenden im Presbyterium zuzuordnen. In einem nächsten Schritt wird gefragt, wie Wertschätzung, Unterstützung und ggf. Weiterentwicklung der Mitarbeitenden in Zukunft gewährleistet werden kann.
- Es wurde entschieden, die Mitarbeit in der Gemeinde für alle Ehrenamtlichen jeweils auf ein Arbeitsjahr zu begrenzen. Danach werden Mitarbeitende gefragt, ob sie ihre Zuständigkeit für ein weiteres Jahr verlängern möchten. Diese Aufgabe liegt derzeit bei der Projektleitung, muss am Ende des Projekts aber von einer Leitungsperson des Presbyteriums übernommen werden.
- Wo verschenken wir uns um des Evangeliums willen hinein in unseren Kontext (unser OUT)? Unterschiedliche Möglichkeiten wurden bedacht. So wird zB. der schon bestehende Geburtstags-Besuchsdienst durch ein Team von Ehrenamtlichen als Dienst an gemeindefernen Mitgliedern erlebt. Die Kontaktaufnahme zur Aphasie Gruppe, die sich in den eigenen Räumlichkeiten trifft, ein „Wochenende der Großzügigkeit“, bei dem betagten Mitbürger:innen praktische Hilfe angeboten wird, die finanzielle Unterstützung eines sozialdiakonischen Projekts oder das regelmäßige Gebet für den Kontext werden als weitere Perspektiven erwogen.
- Zwei Personen wurden in die GV gewählt, eine Person aus der GV ins Presbyterium berufen. Somit hat sich das System nach den Turbulenzen im Frühjahr auch äußerlich stabilisiert. Allerdings brauchen neue Menschen wieder ein Onboarding – einen Prozess des Mithineingenommen-Werdens in die Logik dessen, wofür Bad Hall steht (DNA). Dies bedeutet immer eine personelle Zuwendung, die jemand auch über das Projekt hinaus leisten wird müssen.
- Eine wiederkehrende Erfahrung ist die Instabilität als inhärenter Teil innerhalb des kleinen Systems: Einmal muss sich Presbyterin X beispielsweise in den vorausliegenden Monaten zurücknehmen, da sie beruflich eine große Herausforderung zu stemmen hat und deshalb nicht regelmäßig an Sitzungen teilnehmen kann. Ein anderes Mal wird im persönlichen Austausch deutlich, dass sich Presbyter Y belastet fühlt, da er im privaten Umfeld gerade Unsicherheit erlebt und deshalb wenig Verantwortung übernehmen kann.
Die Frage des Effectuation Ansatzes, „Was ist im Kühlschrank?“ (Ressourcenorientierung statt Zielfokussierung und Kalkulation des leitbaren Verlustes statt des erwarteten Gewinns), stellt sich hier ständig neu. Das erfordert von allen Beteiligten viel Flexibilität und die Bereitschaft, möglichem Frust in einem fluiden System entgegen zusteuern.
- Überhaupt hat die Frage nach der Freude als spirituellem Barometer die Mitarbeitenden kontinuierlich begleitet und sich zum Gradmesser für Tun und Lassen etabliert.
Am 4. Offenen Gemeindeforum stand der Austausch über die persönliche Vision für die Gemeinde in der Zukunft im Vordergrund. In vielfältiger Weise wurde ausgedrückt, was die evang.PG Bad Hall sein möchte: ein Begegnungsraum, in dem Jung und Alt Platz haben und Jesus als verbindendes Element im Mittelpunkt steht, ein Leuchtturm, der in der Umgebung wahrgenommen wird, mit einem lebendigen Kern, der Gemeinschaft lebt und fröhlich Gottesdienst feiert.
Die Frage der Regio-lokalen Zusammenarbeit stellte sich fokussiert durch externe Hilfe des WeG, s.o. Daraus folgte ein gemeinsames Frühstück der drei Presbyterien der Region (Neukematen, Sierning und Bad Hall) mit dem Ziel, einander bessern kennenzulernen, mögliche Vorurteile abzubauen, Vertrauen aufzubauen, die Relevanz des Gemeinsamen und die Wertschätzung für ein Miteinander in der Region zu plausibilieren und Lust auf Gemeinsames über bereits Bestehendes (gemeinsame Konfiarbeit, Gemeindebrief, Lektorenarbeit) hinaus, zu wecken. Am Ende stand das klare Bekenntnis aller, weiter am Verbindenden in der Region arbeiten zu wollen. Eine Folgetermin im Herbst wurde vereinbart.
Der Abend-GD wurde weiter als „kleine Form“ erprobt. Seit Jänner 2026 wird er als Sonntagvormittags-GD unter dem Namen „Kirche für Dich“ und mit einer neuen Vorlage, „Gottesdienst findet statt. Agende für Gottesdienste mit der Gemeinde als Team“ der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, von unterschiedlichen Ehrenamtlichen geleitet und von der Gemeinde gerne gefeiert.
Auch die übrigen Gottesdienste wurden weiterhin häufig unter Einbindung von EA Mitarbeitenden gefeiert. Zwei Lektor:innen wurden begleitet und Weiterentwicklungsmöglichkeiten erarbeitet. Eine weitere Lektorin wurde in ihr Amt eingeführt.
Der niederschwellige Stehkaffee als Angebot nach jedem GD wurde etabliert.
Der Konfi-Elternabend wurde geistlich gestaltet, Eltern von Bad Haller Konfis besucht.
Der Konfi 2 GD (Angebot für Kinder der 2.Kl. VS) wurde mit Kindern, Eltern und der Gemeinde gefeiert.
Es fand ein weiterer „Stufen des Lebens“ Glaubenskurs zum Thema „Josef-Alles hat seine Zeit“ statt mit dem Ziel, geistliches Leben zu stärken und geistliches Wachstum anzuregen.
Ausblick:
Die pastoralen Rollen s.o. waren auf verschiedenen Ebenen immer wieder Thema, die Inanspruchnahme durch konkrete einzelne Personen und ihre Begleitung darin ist ein nächster wesentlicher Schritt.
Hinsichtlich der Zugänglichkeit von außerhalb ist es wichtig, die Zuständigkeiten und Rollen auch transparent zu kommunizieren (sog. „first responder“ bei Kasualien, Notfällen, Konfi, KB usw.).
Es ist das Ziel, nochmal mit allen GVs und Kern-Mitarbeitenden Gespräche zu führen und dabei die Übernahme der Vision und Verantwortung zu stärken.
Das vorerst letzte OGF bietet die Möglichkeit, nochmal auf breiter Basis Menschen in die Vision und gleichzeitig in die konkrete Umsetzung mitzunehmen.
Die Klärung der rechtlichen Organisationsform nach Ablauf des Projekts ist dem Leitungskreis ein dringliches Anliegen. Dies liegt allerdings außerhalb des Aufgabenbereichs der Projektleitung.
Wir gehen den Weg unter der Prämisse und im Vertrauen, dass Gott, der Gemeinden ins Leben ruft, den Prozess leitet, begleitet und deutlich werden lässt, was sich entwickeln möchte.
Pfr. Kathrin Hagmüller
Werk für Evangelisation und Gemeindeaufbau
Projektpfarrstelle Bad Hall

